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Onlinetagebuch zur
Expedition durch den Karpaten-Alpen-Korridor
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Martin und Gabriel |
30.April Gestern sind Jürgen, Hans und ich in der Hohen Tatra angekommen.
Wir haben ein Lager zwischen der Hohen Tatra und der Niedrigen Tatra
aufgeschlagen. Auf 1400m Höhe liegen noch Schneefelder, aber eine
durchgängige Schneedecke existiert nicht mehr. Das Wetter ist sehr
durchwachsen und einigen Schauern.
Heute haben wir uns am Vormittag zunächst selber organisiert, und unsere
Sachen in den Alukisten im Anhänger und auf dem Dach zu verstauen.
Pünktlich um 14:37 kamen Martin und Gabriel am Bahnhof in Poprad an.
Sobald die Sonne durchdringt ist es so warm, dass man fast mit T-Shirt
herumlaufen kann.
Unser erstes Lager ist fast genau dort, wo wir letztes Jahr schon auf der
Rumänien-Deutschland Expedition waren. Ein grüner Korridor zwischen der
Niederen und der Hohen Tatra. Sehr viele Hirschspuren sind hier. In der Nähe
vom Dorf Lucivna haben wir eine tote halb gefressene Hirschkuh gefunden.
Daneben ein totes Rinderkalb.
Morgen fahren wir nach Strbske Pleso hoch und beginnen
von dort die Wanderung. |

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01.Mai Wie im letzten Jahr, beim Eintritt in die Hohe Tatra verschlechtert
sich das Wetter wieder und es regnet leicht. Wir starten auf dem
Hauptwanderweg nach Westen und müssen von 1350m auf ca. 1460m hoch. Je höher
wir kommen um so mehr Schnee war auf dem Weg und der Regen wurde zum
Schneeregen. Glücklicherweise nur leicht. Nach ca. 45min hatten wir die
ersten Bärenspuren. Der Bär kreuzte unseren Weg und nicht sehr viel weiter
ging er ein Stück parallel zum Wanderweg im Schnee. Mir sind die tiefen
Abdrücke im Schnee aufgefallen hinter den Fichtenzweigen. Das erste Stück
des heutigen Tages sind wir ohne den schweren Rucksäcken unterwegs, was auf
dem Schneematsch und Schlamm sehr gut war. Kurz bevor wir gegen 13:00 Jürgen
und Hans trafen, finden wir nochmals Spuren vom Bär. An drei Quellen, warten
Jürgen und Hans, wir machen ein Picknick und marschieren weiter, jetzt mit
Rucksack und vollem Gepäck für 2 Tage.
Gegen 16:00 finden wir ein Lagerplatz an einer offiziellen Lagerstelle.
Es regnet. Am Abend klart es auf und wir bauen ein Tarp auf für Martin und
Gabriel. Ich möchte den neuen Biwakschlafsack testen und lege mich unter
eine Fichte. Doch während der einsetzenden Dämmerung gehe ich noch zum Bach.
Gerade als Shira und ich Wasser schöpfen wollen läuft ein Dachs über die
Holzbrücke 20m neben mir. Ein schöner Abschluss des ersten Tages.
Sichtungen: Hirschspuren, Bärenspuren, Dachs, Fuchs,
Marderspuren, Mauswieselspuren. |
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02.Mai
Es hat keinen Tropfen geregnet. Um 6:00 stehe ich auf und gehe zum Bach
um Wasser für den Tee zu holen und um mich zu waschen. Es ist recht warm und
die Wolken sind hoch. kurz vor 9:00 nach Müsli und Tee ist alles gepackt und
wir nehmen den zweiten Tag in Angriff. Weil der Bach so schön ist, machen
wir noch ein paar extra Bilder. Ich zeige Martin und Gabriel noch eben die
Dachsspuren.
Einem super schönen Weg konnten wir folgen mit Sicht auf die noch
verschneite Niedere Tatra und manchmal auf die Hohe Tatra. Es ist noch ein
wenig trüb, aber das Wetter hält sich. Wir finden immer wieder Bärenspuren
und Wolfslosungen. Frische Abdrücke von Wölfen konnten wir nicht finden.
Allerdings ist der Boden häufig fest, so dass wir dazu Glück brauchen. Die
Wegmarkierungen sind schwer zu finden und wir biegen falsch ab. Aha, dafür
finden wir jetzt noch eine Luchspur. Irgendwann am Nachmittag verlassen wir
die markierten Wege und gehen am Waldrand entlang. Bis zu einer großen Wiese
die uns eine herrliche Aussicht bereitet und am Abend können wir Rehe und
Füchse beobachte.
Sichtungen: Rehe, Fuchs, Bärenspuren und Losung,
Wolfslosungen, Luchspur, Hirsch und Wildschweinspuren. |
 Aussicht
von meinem Platz um 6:45.

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03.Mai Nach einer frostigen Nacht bei klarem Himmel konnte ich einen super
schönen Sonnenaufgang von 5:00 bis ca. 6:30 in den Bergen der Niederen Tatra
beobachten. In den ersten Sonnenstrahlen, als Martin und Gabriel noch im
Schlafsack steckten bin ich zum Bach gelaufen um Wasser für Tee zu holen. Es
war absolut erfrischend im T-Shirt durch die kühle Luft zu laufen.
In der Nacht hat Shira zwei mal angeschlagen und irgendwelche Wildtiere
verscheucht. Shira ist nachts an meinem Hand oder Fußgelenk angeleint.
Entsprechend wach war ich, als ich aus dem Traum so unsanft
herausgeschleudert wurde.
Die Sonne half, das Tarp und meinen Biwaksack vom Tau zu trocken. Um Neun
war alles gepackt und wir marschierten weiter. Langsam entfernen wir uns von
der Hohen Tatra nach Westen. Die Sonne scheint war herunter und ich ärgere
mich, dass ich nicht vorsorglich meine Sonnencreme eingepackt habe.
Entlang der heutigen Route haben wir nur auf der ersten Hälfte Spuren von
Wolf und Bär gefunden.
Wir kamen an eine Schlucht vor Welke Borove. Ganz anders als der bisher
präsente Fichtenwald wuchs hier noch der ursprüngliche Mischwald, mit dem
Hinweis, dass es hier Bären gäbe.
Wir verlaufen uns in der Schlucht, weil die
Wegemarkierung an einer Kreuzung nicht sichtbar war. Nordwestlich von Welke
Borove bauen wir unser zweites Basiscamp auf. Bis Mitternacht sitzen wir am
Lagerfeuer. |
 Aufbruch von Welke Borove ohne
schwerem Gepäck

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04.Mai Keine Spuren von Wolf, Bär oder Luchs
Die zweite Etappe ohne Basiscamp steht an. Wir kontrollieren noch, wo der
markierte Wanderweg weitergeht, sehen aber kein Hinweis, dass er nicht
direkt am Lager vorbei geht. Prompt, nach 30min bergab gehen, stellen wir
fest er ist falsch. Es ist wie verhext, immer an den wichtigen Kreuzungen
fehlen die Hinweise oder die nächste Markierung ist fast nicht sichtbar.
Dafür finden wir einen Hinweis der vom Wolf stammen könnte. Wegen der
Dorfnähe könnte die Spur aber auch von einem großen Hund sein.
Wir gehen zurück und kommen auf einen schönen Weg der zwischen Wald und
Wiesen über mehrere Stunden entlang eines Hügelkammes führt. Es ist warm,
ich habe Kopfschmerzen und ich spüre meine Füße. Der harte Boden ist nicht
dankbar.
Interessant ist, dass laut meiner Einschätzung hier durchaus große
Beutegreifer leben könnten, wir aber keine Hinweise finden. Ein Mischgebiet
zwischen bewaldeten Hügeln, die sehr steil sind und Almwiesen dazwischen.
Die Wiesen selber sind noch mit Waldresten durchsetzt. In Dolny Kubin
treffen wir Jürgen und Hans machen eine pause bevor wir jetzt mit den
Rucksäcken wieder losmarschieren. Auf einer Wiese finden wir einen Platz für
unser Lager oberhalb von der Stadt. Ein Reh wurde hier gerissen. Haut und
Beine sind noch übrig. Es war definitiv kein Wolf, könnte Luchs gewesen
sein. Der Riss ist aber schon älter. |
 Dolny
Kubin stellt als Stadt eine Barriere dar, aber die Wälder und
Hügel drum herum sind nur durch einfache Strassen durchschnitten.

Unser Lager oberhalb von Dolny Kubin |
05.Mai Spuren: Wolf, Bär, Hirsch, Reh, Dachs, Fuchs
Die ganze Nacht plagten mich Kopfschmerzen, leichter Sonnenstich vom
Vortag. Wir entscheiden uns dafür nicht den Wanderweg auf fast 1400 Höhe zum
Kubinska Hola rauf zu laufen sondern nehmen einen Querweg durch den Wald und
sparen uns so insg. 700m Höhenunterschied. Eine sehr gute Entscheidung, wie
sich herausstellt. Wir finden im Wald Bären und Wolfsspuren. Einige Spuren
der Bären scheinen ganz frisch zu sein. Da der Weg am Schluss zurück auf den
markierten Pfad fast unsichtbar wird, gehen wir praktisch quer durch den
Wald. Etwas schwierig sich mit Rucksack durch den teilweise dichten
Fichtenwald zu kämpfen. Die Navigation geht hier nur noch mit GPS. Ich sehe
einen Hirsche, übrigens finden wir täglich sehr viele Hirschspuren.
Auch wenn wir selber gelegentlich durch eine Stadt oder
Dorf laufen müssen, konnten wir bisher keine wirkliche künstliche Barriere
für Wildtiere entdecken. Die Siedlungsdichte ist so locker, dass Wildtiere
immer durch Wälder ausweichen können. Die Waldbestände sind bisher noch sehr
eng miteinander verwoben. Die entwaldeten Flächen für Wiesen, Siedlungen
oder Landwirtschaft sind nicht breit genug um eine ernsthafte Barriere
darzustellen. Wir lagern heute 300m oberhalb von Zazriva auf 900m Höhe auf
halben Weg zur Hügelspitze Javornika. |

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06.Mai Spuren: Wolf viel, Bär
Es soll der Tag der umgefallenen Bäume und Wolfspuren werden.
Es scheint, dass ich mich jetzt einlaufe, Kopfschmerzen sind vorbei, die
Füße und Gelenke fühlen sich gut belastbar an.
Schon beim Aufstieg geht es los. Sehr steil 300m hoch und dann liegen
schon etliche Fichten quer über den Weg, so dass wir durch den Wald
ausweichen müssen oder uns unter bzw. über die Bäume durchkämpfen müssen.
Als wir auf 1200m auf dem Gipfel ankommen, können wir vor lauter
umgefallenen Bäumen kaum erkennen wo hier welche Wege weiter führen. Ein
blau markierter Weg nach Westen muss es sein. Es geht so weiter wir kämpfen
uns wirklich fast den ganzen Tag durch den Wald. Nur wenn Weisenstücke
kommen geht mal leichter. Schneereste liegen herum. Doch dafür finden wir
Spuren zunächst vom Bär, und dann den gesamten Tag Wolfsspuren und Losungen.
Ein steifer Wind weht und bringt Wolken herbei. Am Nachmittag, so um 14:30
fängt es an zu regnen. Wir sind nur noch 20min vom Basislager entfernt, doch
dann kommt das schlimmste Stück. Kampf durch die Fichten.
Kurz nach 15:00 erreichen wir Jürgen und Hans. Da wir schon so früh am
Lager sind, möchte Martin noch nach Wien fahren, weil sein Neffe am Sonntag
Geburtstag hat, und er unbedingt dort sein möchte. Kein Problem, wir bringen
ihn schnell nach Zilina. Gabriel, dessen Schlafsack nicht warm genug war,
fährt gleich mit.
Den heutigen und morgigen Tag werde ich nutzen zu
entspannen, die Route der nächsten Woche zu planen und mich zu waschen. |
   
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