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Onlinetagebuch zur Expedition durch die rumänischen West- und Südkarpaten

1.Woche

 

Apuseni Nationalpark; Bihor Gebirge; Zarandului Gebirge; Poiana Rusca; Retezat Nationalpark; Lotru Gebirge; Fagaras;  Piatra Craiului Nationalpark 
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25.August

Wir sind in Negreni angekommen und haben unsere Zelte gerade aufbauen können bevor es heftig anfing zu regnen. Der Tag fing schon anders an als erwartet. Wir wollten um uns um 10:00 in Brasov mit Antonio und Gruia treffen um dann gleich fahren zu können. wir benötigen noch ein paar Karten, die gestern ausgedruckt werden sollten. Wegen der Bärenfangaktion hatte aber dann keiner Zeit und so mussten wir sie am morgen organisieren. Wir kamen erst nach 12:00 von Brasov weg und benötigten fast 8 Stunden für 350km zum Startort im Norden des Apuseni Gebirges. Es wurde gerade dunkel und wir haben die Regenwolken kommen sehen. Das ganz neue Zelt Thor 3 benötigt beim ersten Aufbau etwas mehr Aufmerksamkeit, so dass ich mein eigenes Zelt nicht mehr vor dem Regen aufbauen konnte. Diana, hatte mir unterwegs geschrieben, dass sie mit Thomas, Wolfgang und Thyra schon um 22:00 kommen.

Wir hatte selber noch nichts gegessen standen im regen und ich bin um 21.45 nach Huedin zum Bahnhof gefahren um die 4 mit dem Renault abzuholen. Mittlerweile haben wir im Licht der Taschenlampe gesehen, dass zwei der Zelte halb im Wasser stehen, dass sich in Pfützen gesammelt hatte.

Wir sind folglich im "Welcome Rain-Camp". 

26.August

Die Nacht war durchwachsen, und eines der Zelte hat entweder geleckt, oder die Lüftung war nicht geöffnet, so dass sich Kondenswasser gebildet hat und es im Zelt tropfte. Der Morgen war noch Wolkenverhangen und für das kleine Dorf neben uns kam ein Wagen und hat Brot verkauft. Wir haben uns in die Schlange eingereiht. Der Tag war mit vielen Vorbereitungen und kleineren Dingen gefüllt. Den Computer musste ich mit neuer Hardware für den Internetzugang vorbereiten, ich habe ein paar Kleinigkeiten an den Fahrzeugen repariert und wir haben die Zelte jetzt im trockenen imprägniert und alles für die nächsten 6 Wochen umgepackt. Das schöne ist, es ist selbst im Regen nicht kalt, auch gestern Abend im strömenden Regen konnte man problemlos in Sandalen und kurzer Hose laufen ohne zu frieren.

27.August

zwei Wolfslosungen gefunden!

Das Wetter zeigt sich gleich schon am morgen von der schönen Seite. Um 8:00 wollten Paul und Iloana von Apuseni Experience zu uns stoßen und den Tag mit uns wandern. Apuseni Experience ist Mitglied im Ökotourismusverband und veranstaltet verschiedene Programme im Apuseni Gebirge, welches wir die nächsten Tage durchwandern wollen. Zusammen starten wir zur ersten Wanderung, zum eingewöhnen als Tageswanderung. Wir müsse gleich über 400m ansteigen und haben von oben eine phantastische Aussicht über das Tal mit unserem Lager und die Hügel rings herum. Wir wandern nun fast genau nach Süden und wollen am späteren Nachmittag Jürgen und Gruia am See Lacul Floroiu treffen. Ich hatte keine Ahnung, dass wir praktisch durch lauter kleine Streusiedlungen wandern. Eine sehr schöne Wanderroute an vielen einsamen Häusern und Siedlungen vorbei. Das kostete viel Zeit zum Photographieren. Als wir uns zur Mittagspause hingesetzt hatten kam ein Mann und hat uns zu sich genommen, damit wir Wasser auffüllen können. Dabei hat er uns gleich mit Äpfel versorgt. Der Weg wurde sehr lang. Gruia kam uns entgegen, denn er musste uns mit dem Renault zum Lagerplatz bringen das östlich auf halber Seehöhe aufgeschlagen wurde. Es gab kam Platz für ein Lager mit 6 Zelten. Also 5 sind in den Renault und der Rest ist mit mir zur Strasse. Auf dem Asphalt habe ich mir dann tatsächlich gleich zwei Blasen gelaufen. Das Lager war mitten im Wald auf einer kleinen Lichtung an einem Bach. Paul und Iloana haben uns erzählt, dass Apuseni Gebirge sehr bekannt für die vielen Höhlen ist. Einige befinden sich auf unserer Wanderroute.

28. August

Es ist bewölkt und ca. 10 °C. Die nächsten drei Tage werden wir ohne Backup Team auskommen müssen. Wir wandern von Nord nach Süd quer durch den Apuseni Nationalpark. Zunächst umlaufen wir den See und folgen dem Tal im Süden. es wird wärmer und wir kommen gegen 14:00 an die Abzweigung die uns auf den Kamm mit einem Panoramaweg bringen soll. Da wir nicht wissen ob es oben auf dem Kamm Wasser gibt, schleppen wir zusätzlich 4 l Wasser mit hoch. Antonio, der zweite rumänische Student, ist fit und übernimmt die Last. Nach ca. 45 min sind wir oben angekommen. Es gibt hier Rinder und Schafe, also auch Wasser. da es nebelig ist, sehen wir nicht viel und müssen zunächst versuchen einen Lagerplatz zu finden. Nach einigen hin und her finden wir einen Lagerplatz halb unter einer Fichte und bauen die Tarps auf. Während ich das Essen zubereite wollen Wolfgang, Thomas und Diana Wasser holen gehen, doch der Schäfer sagt, dass es nicht trinkbar sei. Wir haben gerade noch genug bis zum Frühstück. Kaum hatten wir unsere Suppe fertig fing es an zu regnen. In einer Regenpause kamen Rinder an und wollten genau durch unser Lager. So mussten wir raus um die Rinder umzuleiten, was mit ein paar Stöcken in der Hand und wirkungsvoll funktioniert hat. Dann begann der lange Regen des Abends, teilweise richtig heftig. Das hat aber im Schlafsack eingerollt auf der Isomatte niemanden gestört. Schäfer sind noch vorbeimarschiert und einer der Hunde wollte eine Tasse auslecken als Shira in entdeckt und wütend das Lager verteidigt hat. Diana und Thyra haben ein Lied komponiert. Irgendwann als es dunkel wurde sind alle müde geworden und nach ein paar Witzen eingeschlafen. In der Nacht klärte es auf und ich konnte den Sternenhimmel sehen.

29. August

Wolfslosungen gefunden!

Ich wachte um 6 Uhr auf und bin um 6:30 mit Shira zum nächsten Bach gelaufen. Es war bewölkt, aber trocken und ich hatte eine herrliche Aussicht in die Nebelverhangenen Täler. Die Tarps waren noch nass, und nach dem Frühstück haben wir alles zusammengepackt und sind aufgebrochen. Das erste Stück war ganz leicht, bis zum Bach. jetzt sollte es noch 250m hoch gehen und dort sollten wir eine noch schönere Aussicht haben. Leider hing alles in den Wolken. Schon während dem Anstieg fing es leicht an zu regnen. Ich wollte meine Regensachen nicht anziehen und hatte gehofft, dass es bei ein paar Tropfen bleibt. Das bleib es nicht, und ich bin in kurzer Hose und Regenjacke weiter, Antonio ebenso. Der Regen lies aber nicht nach, sondern es wurde immer unangenehmer. Auf dem Kamm angekommen, sah man kaum 50 weit, ein starker kalter Wind blies und der Regen lief jetzt an meinen Beinen von oben in die Schuhe. keine Möglichkeit die Regenhose anzuziehen ohne alles nass zu machen. Ohne eine Pause machen zu können mussten wir immer weiter. Unterwegs treffen wir noch zwei große Herden mit Pferde die gerade umgesiedelt werden. Man kann nur ahnen welche schöne Aussicht wir bei gutem Wetter hätten. Irgendwann um 3 Uhr hört es auf zu regnen, meine Schuhe sind zwar nicht voll gelaufen, aber meine Hose und Unterhose ist ziemlich nass. So entscheide ich mich dazu, jetzt schnell die Regenhose anzuziehen, was sich kurze Zeit später als eine gute Entscheidung heraußtellen sollte. Auf der anderen Seite des Berges angekommen wird es noch schlimmer. Wir wollen zur Berghütte Padis, finden aber den rechten Weg nicht und stehen vor eine Hütte im Nebel. Antonio und ich gehen hin und ein freundlicher Mann kommt raus und öffnet uns die Tür zu diesem Forsthaus. Er ist der Aufpasser. Diana, die sehr müde war, und eigentlich alle waren froh, dass wir jetzt kein Tarp aufbauen mussten.

30.August

Wir hatten in der Hütten einen geselligen Abend und unser rumänische Freund war froh mal etwas anderes tun zu können. Mir war es im Haus zu stickig und weil es aufgehört hatte zu regnen, habe ich auf der Veranda geschlafen.

Am nächsten Morgen standen wir in einem herrlichem Tal. eine Art Steppe mit vielen Wasserlöchern, teilweise fast wie in der Tundra umsäumt von den Bergen und Wäldern. Das Grass leuchtet goldgelb. Ich bin mit Sandalen auf den nächsten Hügel um mir von dort eine besser Übersicht zu verschaffen. Unglaublich schön.

Obwohl wir die nassen Sachen zum trocknen in die Hütte vom dem Rumänen gehängt hatten, war eigentlich nichts wirklich trocken. Wozu auch, denn ab Mittag sollte es wieder regnen. Amüsant war, dass ich hier oben die Erica Stanciu und Mugor Pop später an der Padis Hütte getroffen habe. Erica arbeitet für das Donau Karpatenprogramm vom WWF und Mugor Pop hat einen Reiterhof bei Klausenburg und ist Mitglied im Ökotourismusverband. Ich kenne beide.

Auf dem Weg von der Padis Hütte zur Strasse bei Vartog wollten wir eine der größten Höhlen anschauen. Es fing allerdings wieder an zu regnen und nicht alle hatten jetzt Lust den Steil Berg runter zu laufen. Antonio, Melanie und Thomas sind runter und ich bin mit Shira noch hinterher. Der Abstieg war aber derartig rutschig auf Felsen und Shira hat ständig gezogen, dass ich zurück bin. Thomas kam kurz darauf zurück, während die zwei Anderen noch weiter rein sind. Er erzählt, dass es mit Hund völlig unmöglich wäre dort runter zu gehen. Nach insgesamt fast zwei Stunden warten, kam Antonio und Melanie mit Gruia zurück. Gruia ist vom Wagen um 7:30 aufgebrochen, irgendwie quer durch den Wald und hat Antonio in der Höhle getroffen.

Es regnet immer stärker und wir sind froh, dass es jetzt weiter geht, noch ca. 10km zum Auto. Als wir endlich ankommen sind wir wieder nass und durchgefroren. Jürgen hat die Zelte schon aufgebaut, aber der Untergrund ist ziemlich nass. 

31.August

Sturm, Nebel und Dauerregen, auf der Wiese steht das Wasser teilweise cm hoch und es sind nur 5°C. Auf 1800m soll der erste Schnee gefallen sein. Da mein Zelt noch gar nicht stand und die Fahrzeuge an der Strasse stehen, musste ich im Auto übernachten. Nicht unpraktisch, theoretisch, dafür konnte ich in dem Wagen mit all den feuchten Sachen, den Socken die auf der Wäscheleine hängen fast über meinem Gesicht nur sehr schlecht schlafen. Obwohl ich nur 20m neben den Zelten und dem aufgebauten Tarps stehe kann ich sie am morgen fast nicht sehen. Der Wind ist so stark, dass er den Regen durch die Lüftung der Zelte nach innen drückt. Ich entscheide mich dazu, dass wir zum nächsten geplanten Ziel mit den Fahrzeugen fahren. Alle bleiben in ihren Zelten und schlafen. Dort ist es wenigstens warm und trocken. Ich koche den Tee und bereiten das Frühstück, bevor ich mit Gruia losfahre um die Lage weiter unten zu prüfen und einen geeigneten Lagerplatz zu finden. Wir finden einen Platz südlich von Vascau hinter einem abgelegenem ehemaligem Restaurant.

Zurück im Regenlager wecke ich alle auf und wir versuchen die Zelte unter dem Tarp so abzubauen, dass die Innenzelte nicht völlig durchnässen. Da wir im Moment noch viele Marmot Regenjacken dabei haben, die wir in Rumänien verschenken, haben wir dem Wolfgang, der Thyra, Diana und Thomas mit trockenen Regenjacken ausgeholfen.

Als wir es geschafft haben, und unten im Tal angekommen sind, fing es auch hier an zu regnen und meine Teilnehmer haben entschieden in eine Pension zu gehen, um wieder halbwegs trocken zu werden. Deswegen sind wir nach Stei in ein Hotel gefahren, haben dort in einem Restaurant vergnügt gegessen. Nur ich selber habe dann draußen übernachtet, an der frischen Luft ohne einen tropfen Regen.

01. September

Um 8 Uhr war ich wieder am Hostel und wir sind gegen 10 Uhr aufgebrochen zum eigentlich geplanten Lagerplatz, dort hatte ich auch übernachtet. Von dort konnten wir dann direkt die letzte Etappe der Woche in Angriff nehmen auf einer Forstweg der uns zunächst nach Cristioru de Jos geführt hat. Ganz gemütlich ohne Regen und alle waren bester Stimmung. VOn dort ging es über einen schlammigen Weg durch die Hügel die sehr extensiv bewirtschaftet sind. Uns kamen zwar Wasserbüffel entgegen, aber Spuren von Wildtieren waren wegen dem vorhergegangenem Regen kaum zu erwarten. Dafür sind wir von einem Natursnack zum nächsten gewandert. Pflaumen, Äpfel, Beeren, auf dem gesamten Weg bis nach Calugari. Dort rollten uns riesige Fässer entegegen, die für die ganzen Pflaumen gedacht sind. Das gesamte Dorf war umgeben von diesen Früchten. VOn hier geht es nach Süden weiter vorbei an dem Mönchskoster Izbuc. EIn Möch mit einem Blaumann der gerade einen Dacia repariert beschreibt uns, wie wir bis nach Avram Iancu weiter kommen. Die Leute in den Dörfern sagen uns auch, dass sie hier wenig Wildtiere haben, und Wölfe und Bären oben in den Wäldern seien. Nur Wildschweine seien hier viele, die sich an den heruntergefallenen Pflaumen bedienen. Um 13:00 schickt mir Jürgen die Koordinaten vom Lager und gegen 15:00 kommen wir in einem schönen Tal, dort wo zwei Bäche zusammen fliessen am Lager an. Die Zelte sind zum trocknen auf den Kopf gestellt und es scheint die Sonne. Hier werden wir bis Sonntag bleiben. Am Abend machen wir ein grosses Lagerfeuer und der einheimische Palinka löst die Zunge für den nächtliche Lagerfeuermusik. Wölfe haben darauf nicht geantwortet.